eine blitztartige Erleuchtung

WJ_IMG_0435„ … eine blitztartige Erleuchtung? „
Neulich, da hätte ich doch fast so eine neuartige Radarfalle  überfahren, frisch entdeckt, hübsch designt und  getarnt, durch einen Zebra-gestreiften Fußgängerüberweg direkt daneben. (Früher hieß das  ja mal „Dickstrichkette“, klar warum das heute jeder  abgekürzt als „FGÜ“.)

Ich schwamm also zügig dahin, hielt achtsam Ausschau nach möglichen kreuzenden Passanten und anderen Verkehrs-beschränkungen und war jederzeit bereit, durch beherztes Lenken, Bremsen oder Hupen, oder was auch immer, Schlimmeres zu vermeiden.
Geblitzt hat es mich dann trotzdem, mit 19 Sachen zu viel.
Dafür wurden dann ungepunktete 30 Euro Schmerzensgeld fällig.
Das ist leider wahr. Unachtsamkeitssteuereinnahmen im Straßenverkehr. Oder Sühnegeld für Schwaben, die das durchaus durch einsichtige, vorausschauende Fahrweise unbedingt vermeiden bzw. gerne wieder einsparen würden.  Praktisch heißt das dann, ich muss zukünftig, für ca. ein Jahr lang konstant 19 Sachen langsamer fahren, frühzeitig vor Blitzern vom Gas gehen, und mich öfter mal ausrollen lassen. Spart dann mindestens 1/4 Liter bzw. ca. 50 ct. auf 100 km, und kostet höchstens 1/4 Stunde Fahrtzeit je Stunde Fahrt. Für kleinere Dieselflitzer, 19 km/h Geschwindigkeitsreduzierung, und bei extremer Stau- und  Autobahnvermeidung, könnte das funktionieren.
Da bin ich mir aber nicht mehr so absolut sicher.
Und der Gedanke daran, macht auch keine Freude.
Wer oder was wäre ich ohne diese Gedanken? Ob ich mich dann wieder mehr auf meine hellseherischen Fähigkeiten besinnen sollte, oder endlich mal meine „Radar-Fallen-Warn-App“ im Navi wieder aktualisieren?
Dann würde es mich beispielsweise auch interessieren, wie andere darüber denken. Gerade fand ich folgendes im Internet, bzw. bei unserer Bundeskanzlerin:
„Im Straßenverkehr gilt nicht automatisch das Recht des Stärkeren,
sondern die St
ärke des Rechts.“ Und für Schnellere gelten Verkehrsschilder, oder?

Für einen Herrn Oliver Kahn und sein 650 PS kraftstrotzendes Superauto, der mit 163 km/h in einer 80er Zone erwischt wurde, gilt das alles natürlich genauso, das Recht des stärkeren … Anwalts.
Bei so einer Rechtslage würde ich mir dann auch ganz schnell und ernsthaft Gedanken, über einen starken Rechtsbeistand machen.

Sein gefundener Beistand legte dann dar, dass das Blitzgerät ja womöglich gar nicht korrekt gearbeitet habe.
Der Wagen seines Mandanten sei fotografiert worden, obwohl dieser die Messlinie noch gar nicht überfahren habe.
Wohl eine sehr waghalsige Auslegung der Realität, denkt Ihr nun auch,
kann das wahr sein?

Immerhin fand sich ein Verkehrsgutachter, der nicht ausschließen wollte, dass ein „vorauseilender Lichtreflex“ den Blitz ausgelöst habe.
Wer könnte das mit absoluter Sicherheit wissen?
Sicher war er sich nicht, ja es sei noch nicht einmal wahrscheinlich, doch möglich sie es allerdings schon.
Zweifel seien also angebracht und Kahn sei freizusprechen –
im Zweifel eben für den Angeklagten.
Wie sich Oliver Kahn dabei wohl gefühlt haben mag, wie er darauf reagiert haben könnte?
Über 600 Euro Peanuts, lächerlich im Vergleich für den Spaß mit und dem Spritverbrauch seines Boliden.
Jedoch über 4 Punkte in Flensburg inklusive eines 3 monatigen Fahrverbotes?
Ob er da nicht doch eine Träne unterdrückt hat?
Mal ehrlich, würdet ihr, so ein Edelspielzeug, (weiß,  Mercedes SL65, von AMG feingetunt) nur noch in der Garage gelegentlich  anlassen um Euch an dessen Sound zu erfreuen? Allein was das Ding ungenutzt schluckt, an Steuer, Versicherung und Wertverlust, herzbewegend. Ganz zu schweigen, vom Stress, beim Einparken oder als Beifahrer von Olli’s Frau ständig dabei sein zu müssen, schrecklich. (Ob man das nicht mal als Bewährungsauflage für Raser verhängen könnte, ständiges Anecken und Ausrasten müssten dann aber als mildernde Umstände gelten.)
Doch wer wäre Olli ohne diese Gedanken?
Wir werden es nie erfahren. Bekanntermaßen sprachen die Richter Oliver Kahn tatsächlich frei. Und vermutlich lacht und freut er sich noch heute darüber,
auf jeder Party, sobald er davon erzählen darf.

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